Von der Dorfkirche in der Schweiz bis zur Kathedrale in São Paulo: Die lateinische Kirche ist der zahlenmässig grösste Teil der katholischen Kirche. Ihre Wurzeln liegen im christlichen Westen und besonders in Rom. Heute verbindet sie Menschen auf allen Kontinenten, mit einer gemeinsamen kirchlichen Ordnung und unterschiedlichen kulturellen Ausdrucksformen.
Blick über den Petersplatz zum Petersdom in Rom. · François Malan / DfmalanBildnachweis →
Der schnelle Einstieg
Muss man wissen.
Die lateinische Kirche ist die westliche Kirche eigenen Rechts innerhalb der katholischen Kirche. Ihr Name bezeichnet eine kirchliche Überlieferung und Zugehörigkeit, keine ethnische Gruppe.
MitgliederKeine gesonderte Zahl im verwendeten WeltberichtStand 2024 · Der Bericht nennt 1,422 Milliarden Katholiken aller Kirchen zusammen.
Kirchliches ZentrumRom; die Lateranbasilika ist die Kathedrale des Bischofs von Rom.
LeitungDer Papst als Bischof von Rom; in den Ortskirchen die jeweiligen Diözesanbischöfe.
Sprache & LiturgieLatein als überlieferte liturgische und kirchliche Sprache; Gottesdienste auch in zahlreichen Landessprachen.
Mitgliederangabe: Die Gesamtzahl aller Katholiken wird hier bewusst nicht als Mitgliederzahl der lateinischen Kirche ausgegeben. Sie umfasst auch die katholischen Ostkirchen. Zahl und Bezugsgebiet einordnen →
01
Katholisch ist mehr als lateinisch
Zur katholischen Kirche gehören neben der lateinischen Kirche 23 katholische Ostkirchen. Sie teilen den katholischen Glauben und die Gemeinschaft mit dem Papst, bewahren aber eigene liturgische, geistliche und kirchenrechtliche Überlieferungen.
02
Mehrere westliche Riten
Am weitesten verbreitet ist der römische Ritus. Daneben bestehen weitere anerkannte westliche Traditionen, darunter der ambrosianische Ritus. Lateinische Kirche und römischer Ritus sind deshalb keine vollständig deckungsgleichen Begriffe.
03
Eine eigene Rechtsordnung
Der Codex Iuris Canonici von 1983 richtet sich ausdrücklich an die lateinische Kirche. Er regelt unter anderem Ämter, Sakramente, kirchliche Einrichtungen und Verfahren. Die katholischen Ostkirchen besitzen einen eigenen gemeinsamen Gesetzeskodex.
04
Weltkirche vor Ort
Die weltweite Kirche begegnet den Gläubigen in Bistümern und Pfarreien. Ihre Vielfalt ist nicht nur geografisch: Klöster, Ordensgemeinschaften, Schulen, Wallfahrtsorte und Laiengemeinschaften prägen unterschiedliche Formen katholischen Lebens.
Glaube im Alltag
Tradition, die gelebt wird.
Gottesdienst, kirchliches Leben und Gemeinden über Landesgrenzen hinweg.
Den Kirchenraum lesen
In einer Kirche des römischen Ritus erzählen drei Orte vom Aufbau des Gottesdienstes: Am Ambo werden die biblischen Lesungen verkündet; der Altar steht im Mittelpunkt der Eucharistie; der Priestersitz bezeichnet den Dienst des Vorstehers. Der Tabernakel dient der Aufbewahrung des Allerheiligsten und dem Gebet. Diese Orte haben unterschiedliche Aufgaben. Auch der Chor gehört zur versammelten Gemeinde. Die liturgischen Vorgaben verlangen deshalb eine Anordnung, in der die Menschen sehen, hören, antworten und an der Feier teilnehmen können. Der Raum ist selbst eine Hilfe zum Verständnis.
Wie Verantwortung in der Pfarrei verteilt ist
Der Pfarrer trägt die ihm anvertraute Seelsorge gemeinsam mit weiteren kirchlichen Diensten und engagierten Gläubigen. Das Kirchenrecht unterscheidet dabei Aufgaben: Ein Pastoralrat unterstützt die pastorale Arbeit beratend; seine Einrichtung richtet sich nach der Entscheidung des Diözesanbischofs. Ein Vermögensverwaltungsrat ist für jede Pfarrei vorgesehen und hilft bei der Verwaltung der kirchlichen Güter. Zur Verantwortung des Pfarrers gehören zudem Familienbesuche, die Sorge für Kranke und Bedürftige sowie die sorgfältige Führung der Kirchenbücher. Leitung wird dadurch als Dienst an konkreten Menschen greifbar.
Mailand zeigt die Vielfalt des Westens
Wer im November Mailand besucht, kann eine vertraute Kirche mit einem ungewohnten Kalender erleben: Im ambrosianischen Ritus dauert die Vorbereitung auf Weihnachten sechs Wochen, im römischen gewöhnlich vier. Die Erzdiözese besitzt dafür eigene liturgische Texte und ein eigenes Lektionar, also die geordnete Sammlung der gottesdienstlichen Lesungen. Ihr liturgischer Dienst veröffentlicht diese Texte und erläutert ihre Anwendung. Das Beispiel macht die Vielfalt innerhalb der lateinischen Kirche sichtbar: Eine gemeinsame kirchliche Zugehörigkeit lässt regional gewachsene Formen des Betens und Feierns bestehen.
Weltweit; historisch im westlichen Mittelmeerraum und Europa verwurzelt. Besonders grosse katholische Bevölkerungen leben heute auch in Amerika, Afrika und auf den Philippinen.
Kartenbasis: Natural Earth · Länder als Orientierung, keine Mitgliederanteile.
Herkunft & Schwerpunkte
Weltweit
Gemeinden in der Diaspora
Weltweit verbreitet; keine einzelne nationale Diasporakirche
Die Karte hebt genannte Länder hervor. Sie zeigt keine Grenzen kirchlicher Zuständigkeit; kleine Gemeinschaften können auch anderswo leben.
Die Geschichte dahinter
Wurzeln, Brüche, Neubeginn.
Die christliche Gemeinde in Rom gehört bereits zur apostolischen Kirche; die Überlieferung verbindet sie besonders mit Petrus und Paulus.
Der erste umfassende Kodex des lateinischen Kirchenrechts wird promulgiert.
Johannes XXIII. kündigt eine Revision des kirchlichen Gesetzbuchs an.
Johannes Paul II. promulgiert den erneuerten Codex Iuris Canonici.
In Gemeinschaft mit Rom
Weitere Kirchen kennenlernen.
Eigene Traditionen und eine gemeinsame katholische Kirche.