Kapitel 01
Die unbequeme Predigt vor den Mächtigen
Am 21. Dezember 1511 griff der Dominikaner Antón de Montesino in Santo Domingo die Behandlung der indigenen Bevölkerung an. Nach der Überlieferung des Bartolomé de las Casas fragte er nach dem Recht, Menschen zu unterdrücken und für den Gewinn anderer zugrunde gehen zu lassen. Die Predigt sprach Kolonisten als Christen an und stellte ihr Handeln unter einen moralischen Anspruch.
Darin lag eine folgenreiche Verschiebung: Macht, wirtschaftlicher Nutzen und die Berufung auf eine christliche Krone genügten nicht als Rechtfertigung. Die Menschen, über die verfügt wurde, mussten als Träger eigener Ansprüche betrachtet werden. Der Konflikt wurde dadurch nicht sofort gelöst, aber er konnte nicht mehr ohne eine Frage nach Gerechtigkeit beschrieben werden.

